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Opus 5.5, Sonnet 5.5, GPT-6 Sol: was die neue Preisrunde für eine Rechnung bedeutet

Innerhalb einer Woche haben Anthropic und OpenAI vier Modelle vorgestellt, alle billiger als ihre Vorgänger. Wir rechnen die neuen Preise gegen unsere eigene Messung vom Rechnungseingang und zeigen, warum der Modellpreis dort nicht der Posten ist, an dem sich etwas entscheidet.

Anton Brinckmann5 Min. Lesezeit

Stand
01. Oktober 2026
Übergabe: dem Agenten erklären, wie ihr arbeitet
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Innerhalb von acht Tagen sind vier neue Modelle erschienen, und bei allen vieren war der Preis Teil der Ankündigung. Am 22. September Claude Opus 5.5, am selben Tag GPT-6 Sol und GPT-6 Luna, am 28. September Claude Sonnet 5.5, und am 29. September legte OpenAI mit GPT-6.1 Sol nach. Jede dieser Ankündigungen sagt: schneller, günstiger, gleich gut oder besser.

Wir haben keines der vier Modelle in unseren Abläufen laufen lassen. Was wir haben, ist eine eigene Messung vom 18. September: Wie viele Token eine echte Eingangsrechnung beim Auslesen von fünf Feldern braucht. Mit dieser Zahl lässt sich ausrechnen, was die neuen Preise für einen Betrieb wirklich bedeuten. Das ist eine Rechnung, keine Messung, und wir kennzeichnen sie so.

Was angekündigt wurde

Anthropic hat Opus 5.5 am 22. September 2026 vorgestellt, zu 4 Dollar je Million Eingabe- und 20 Dollar je Million Ausgabe-Token, das sind 20 Prozent weniger als bei Opus 5; Lesen aus dem Zwischenspeicher kostet 60 Prozent weniger. Anthropic spricht von 40 Prozent geringeren Kosten bei einer typischen Arbeitslast und über 30 Prozent schnellerer Ausgabe. Sonnet 5.5 folgte am 28. September zum unveränderten Preis von 2 und 10 Dollar; billiger werde es trotzdem, weil das Modell für dieselbe Arbeit weniger Token brauche, bis zu 30 Prozent je Aufgabe.

OpenAI hat am 22. September GPT-6 Sol zu 2 und 10 Dollar und GPT-6 Luna zu 0,10 und 0,50 Dollar vorgestellt, beide abgeleitet von GPT-6 Astra, das 10 und 50 Dollar kostet. Am 29. September kam GPT-6.1 Sol, gleicher Preis wie Sol, aber nach OpenAIs eigenen Vergleichswerten näher an Astra. Lesen aus dem Zwischenspeicher kostet bei 6.1 Sol 0,10 Dollar, die Hälfte von Sol.

Auffällig: Sonnet 5.5 und GPT-6.1 Sol kosten auf den Cent dasselbe, und beide werden von ihren Herstellern als das Modell für die tägliche Arbeit beworben. Das ist kein Zufall, das ist ein Markt.

Was eine Rechnung kostet

Beim Bau unseres Rechnungseingangs haben wir am 18. September gemessen, was eine Eingangsrechnung beim Auslesen kostet: 1.009 Token Eingabe, davon rund 600 für die Anweisung, und 81 Token Ausgabe. Mit den Listenpreisen vom 29. September 2026 ergibt das:

Kosten je Rechnung, 1.009 Token Eingabe, 81 Token Ausgabe
Listenpreise vom 29.09.2026, ohne Zwischenspeicher, US-Dollar

  Modell               USD je Mio.     je Rechnung    200 Rechnungen
                       ein     aus                    im Monat
  GPT-6 Luna           0,10    0,50      0,01 Cent      0,03 USD
  Claude Haiku 4.5     1,00    5,00      0,14 Cent      0,28 USD
  Claude Sonnet 5.5    2,00   10,00      0,28 Cent      0,57 USD
  GPT-6.1 Sol          2,00   10,00      0,28 Cent      0,57 USD
  Claude Opus 5.5      4,00   20,00      0,57 Cent      1,13 USD
  GPT-6 Astra         10,00   50,00      1,41 Cent      2,83 USD

Zweihundert Rechnungen im Monat mit dem teuersten Modell der Liste: 2,83 Dollar. Die Postannahme in demselben Ablauf kostet 10 Euro im Monat, die Ablage 4,99 Euro. Das Modell ist selbst mit Astra der kleinste Posten. Mit Sonnet 5.5 oder 6.1 Sol liegt es bei einem halben Dollar.

Wer die Zeile mit Luna liest und an den Preis denkt, sollte die andere Zeile aus derselben Messung dazulegen: Ein lokales Modell mit drei Milliarden Parametern hat bei uns 19 von 24 Rechnungen in allen fünf Feldern richtig gelesen, und zweimal eine Rechnungsnummer erfunden, die wie eine echte aussah. Ob Luna das besser oder schlechter macht, wissen wir nicht. Der Preis sagt darüber nichts.

Wo der Preis trotzdem zählt

Bei zweihundert Rechnungen ist das Modell egal. Bei zweihunderttausend Dokumenten ist es das nicht. Wer Verträge seitenweise durch ein Modell schickt, Besprechungen mitschreiben lässt oder Datenräume sichtet, hat hundert- bis tausendfach mehr Eingabe-Token je Vorgang. Dort machen 2 gegen 10 Dollar je Million den Unterschied zwischen einem Werkzeug, das man jeden Tag benutzt, und einem, das man sich für besondere Fälle aufhebt.

Und dort zählt auch die zweite Zahl, die in allen Ankündigungen steht: der Zwischenspeicher. Wer dieselbe lange Anweisung oder denselben Vertragstext immer wieder mitschickt, zahlt für die wiederholte Eingabe bei 6.1 Sol 0,10 Dollar statt 2, bei Sonnet 5.5 0,20 Dollar statt 2. Das setzt voraus, dass der eigene Aufruf so gebaut ist, dass der unveränderte Teil vorne steht. Das ist eine Frage der Reihenfolge, keine der Technik.

Was sich nicht am Preis entscheidet

Zwei Dinge aus den Ankündigungen sind für einen Betrieb wichtiger als die Preisspalte.

Erstens die Verfügbarkeit: Opus 5.5 und Sonnet 5.5 laufen laut Anthropic auf der eigenen Plattform sowie bei Amazon, Google und Microsoft. Wer schon einen Vertrag mit einem dieser drei hat, bekommt das Modell innerhalb dieses Vertrags, mit dessen Regeln zu Speicherort und Aufbewahrung. Das ist für Kanzleien oft der einzige Weg, der ohne neue Vereinbarung geht.

Zweitens die Sicherungen: Anthropic schreibt, dass Opus 5.5 und Sonnet 5.5 bestimmte Anfragen aus dem Bereich Cybersicherheit an ältere Modelle weiterreichen, und dass für Opus 5.5 eine Kennzeichnung nach dem EU AI Act eingebaut ist. Beides ändert nichts am Preis, aber es kann einen Ablauf ändern, der bisher lief: Wer ein Skript hat, das Sicherheitsprüfungen an ein Modell gibt, sollte nach dem Wechsel prüfen, ob die Antworten noch aus demselben Modell kommen.

Was wir nicht geprüft haben

Wir haben keines der vier Modelle gegen unsere 24 Testrechnungen laufen lassen. Die Tabelle oben rechnet Listenpreise mit gemessenen Token-Zahlen; die Token-Zahlen stammen von einem lokalen Modell und können sich bei einem anderen Modell ändern, weil jedes anders zählt und anders lang antwortet. Die Prozentangaben zu Geschwindigkeit und Ersparnis stammen von den Herstellern und sind nicht nachgemessen. Die Preise gelten für die Standardverarbeitung; Verarbeitung mit Datenresidenz kostet bei OpenAI laut Preisseite zehn Prozent mehr.

Stand dieses Artikels

Geschrieben am 29. September 2026. Preise und Ankündigungsdaten von den Seiten von Anthropic (Opus 5.5 vom 22. September, Sonnet 5.5 vom 28. September) und OpenAI (Preisseite, Ankündigung zu GPT-6.1 Sol), gelesen am 29. September 2026. Die Token-Zahlen je Rechnung stammen aus unserem Beitrag zur automatisierten Rechnungsverarbeitung, gemessen am 18. September 2026 mit llama3.2 über Ollama. Die Umrechnung ist eine Rechnung, keine Messung. Preise in US-Dollar, nicht umgerechnet.

Häufige Fragen

Soll ich wegen der neuen Preise das Modell wechseln?

Nur, wenn du vorher misst. Nimm eine feste Menge Rechnungen mit bekannter Wahrheit, lass beide Modelle darüber laufen und vergleiche die Treffer je Feld. Wenn das neue Modell nicht besser liest, hast du mit dem Wechsel nur Zeit verloren, weil der Preisunterschied bei zweihundert Rechnungen im Monat unter einem Dollar liegt.

Warum kosten Sonnet 5.5 und GPT-6.1 Sol dasselbe?

Das sagen die Hersteller nicht, und wir wissen es nicht. Beide werden als Modell für die tägliche Arbeit vermarktet, beide kosten 2 und 10 Dollar je Million Token. Für dich heißt das: Der Preis ist kein Unterscheidungsmerkmal mehr, die Trefferquote auf deinen Dokumenten schon.

Was bringt mir der Zwischenspeicher?

Wenn dein Aufruf einen langen, gleichbleibenden Teil hat, etwa eine Anweisung von 600 Token oder einen Vertragstext, zahlst du für diesen Teil beim zweiten Aufruf nur noch einen Bruchteil, bei 6.1 Sol ein Zwanzigstel. Voraussetzung ist, dass der gleichbleibende Teil am Anfang des Aufrufs steht und der veränderliche am Ende.

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